Naturfasern statt Chemiefasern: Warum das, was du auf der Haut trägst, mehr beeinflusst, als du denkst
Wir denken oft sehr genau darüber nach, was wir essen. Bio oder nicht, Zusatzstoffe ja oder nein, Zucker oder lieber nicht. Aber wie oft denkst du darüber nach, was du den ganzen Tag auf deiner Haut trägst? Deine Haut ist dein grösstes Organ – und sie ist fast rund um die Uhr in direktem Kontakt mit Textilien. Das, was wir anziehen, ist deshalb weit mehr als nur eine modische Entscheidung.
Die Haut nimmt auf, was sie berührt
Unsere Haut ist keine undurchlässige Hülle. Über Körperwärme und vor allem über Schweiss können sich Zusatzstoffe und chemische Rückstände aus Kleidung lösen und teilweise in den Körper gelangen. Dr. Ralph Pirow, Textilexperte am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), bringt es auf den Punkt: Körperwärme und Schweiss können Zusätze und chemische Hilfsmittel aus Kleidung herauslösen – wodurch sie potenziell direkt in den Körper eindringen können.
Wie stark das im Einzelfall passiert, hängt von vielen Faktoren ab: der Grösse der Moleküle, der Fläche, mit der die Kleidung deine Haut berührt, dem Zustand deiner Haut und eben davon, wie stark du schwitzt. Genau das ist der Punkt, an dem es besonders relevant wird: Bei Sportkleidung, die eng anliegt und bei der wir stark schwitzen, ist der Haut-Stoff-Kontakt maximal – und damit auch das Potenzial für eine Aufnahme von Stoffen aus dem Gewebe.
Was steckt in synthetischer Kleidung?
Rund 60 Prozent der weltweit produzierten Kleidung besteht heute aus synthetischen Fasern wie Polyester, Nylon oder Acryl. Polyester allein macht schätzungsweise 70 Prozent aller Kunstfasern aus. Untersuchungen haben in Polyester unter anderem Substanzen wie Bisphenol A (BPA), Phthalate und Antimon nachgewiesen – Stoffe, die im Verdacht stehen, in das Hormonsystem einzugreifen. Auch Formaldehyd, das in vielen pflegeleichten, knitterfreien Textilien zur Ausrüstung eingesetzt wird, ist als Gefahrstoff eingestuft, der Allergien auslösen kann.
Das heisst nicht, dass jedes Polyester-Shirt automatisch gefährlich ist – die gesetzlichen Grenzwerte in der EU (u. a. über die REACH-Verordnung) sollen genau das verhindern. Aber es zeigt: Wer täglich viele Stunden in synthetischer Kleidung verbringt, setzt sich einer chemischen Belastung aus, die bei Naturfasern in dieser Form meist nicht besteht.
Warum Naturfasern die Haut anders behandeln
Naturfasern wie Bio-Baumwolle, Leinen, Hanf, Seide, Merinowolle oder Tencel (Lyocell) haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind von Natur aus atmungsaktiv und nehmen Feuchtigkeit gut auf, anstatt sie einfach nur von der Haut wegzuleiten. Baumwolle etwa kann eine beträchtliche Menge Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen, und ermöglicht eine deutlich bessere Luftzirkulation als Polyester, das nur rund 0,4 Prozent Feuchtigkeit aufnimmt und Wärme und Schweiss eher stauen lässt.
Das hat einen weiteren, angenehmen Nebeneffekt: Geruch. Eine 2014 im Fachjournal „Applied and Environmental Microbiology“ veröffentlichte Studie zeigte, dass Polyester-Shirts nach dem Sport deutlich unangenehmer riechen als Baumwoll-Shirts – weil sich Bakterien auf der hydrophoben Kunstfaseroberfläche anders und stärker ansiedeln als auf Naturfasern. Merinowolle gilt dabei sogar als eine der geruchsärmsten Fasern überhaupt.
Ein ehrlicher Blick: Auch Naturfasern sind nicht automatisch perfekt
Damit dieser Artikel ehrlich bleibt: „Naturfaser“ bedeutet nicht automatisch „chemiefrei“. Auch konventionelle Baumwolle wird häufig mit Pestiziden behandelt, und auch Naturfasern durchlaufen in der Verarbeitung Bleich-, Färbe- und Ausrüstungsprozesse, bei denen Chemikalien zum Einsatz kommen. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Naturfasern von sich aus keine erdölbasierten Kunststoffpolymere sind, in denen sich Weichmacher, Flammschutzmittel oder andere Zusatzstoffe fest im Fasergitter verankern. Wer ganz sichergehen will, achtet zusätzlich auf Zertifizierungen wie GOTS (Global Organic Textile Standard) oder OEKO-TEX, die sowohl den biologischen Anbau als auch schadstoffarme Verarbeitung garantieren.
Worauf du beim Umsteigen achten kannst
Unterwäsche und was direkt auf der Haut liegt. Hier ist der Haut-Stoff-Kontakt am intensivsten und am längsten – ein guter erster Ort, um auf Naturfasern wie Bio-Baumwolle oder Seide umzusteigen.
Ich trage Unterwäsche von Hessnatur *
Alltagskleidung. Auch bei dem, was du täglich stundenlang trägst, lohnt sich der Blick aufs Etikett – Leinen, Bio-Baumwolle, Tencel oder Hanf sind angenehme, atmungsaktive Alternativen zu reinen Synthetik-Mixen.
Ich steh total auf Leinenteile von Hessnatur *
Sportkleidung. Ausgerechnet hier, wo wir am meisten schwitzen und die Kleidung am engsten anliegt, besteht der grösste Teil des Marktes aus reinem Polyester. Merinowolle-Sportswear oder Mischungen mit einem hohen Naturfaseranteil sind eine spannende, zunehmend erhältliche Alternative.
Ich trainiere in Sportwear von Hessnatur *
Also, meine liebe Liebende,
es geht dabei nicht um Perfektion. Du musst nicht von heute auf morgen deinen kompletten Kleiderschrank austauschen oder jedes Kleidungsstück meiden, das nicht zu 100 Prozent aus Naturfasern besteht. Aber du darfst dir erlauben, bewusster hinzuschauen – vor allem bei dem, was am längsten und am nächsten an deiner Haut liegt. Kleine Veränderungen, Stück für Stück, machen hier schon einen spürbaren Unterschied.
Teil der FREE Living Reihe – für Frauen, die bereit sind, sich selbst wieder an die erste Stelle zu setzen.

















